
Die erste Grobplanung für die diesjährige Motorradreise in 2024 hat begonnen. Geplant ist, über Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegovina, Montenegro, nach Albanien zu fahren. Zu den Skipetaren. Die Albaner bezeichnen sich selbst als „Schtjiptar“, welches sich lt. Sprachforschung vom nicht mehr verwendetem Wort „shqiptoj“ = aussprechen, ableitet. Jetzt heißt aber der Adler auf albanisch „shqiponja“, was ähnlich klingt. Etymologisch korrekt, hat man deshalb in früheren Zeiten die Albaner in Mitteleuropa als Skipetaren = „Adlerleute“ bezeichnet. Hier wurde ein Zusammenhang hergestellt, den es so gar nicht gibt. Angenommen wurde auch, dass der Adler auf der Nationalflagge Albaniens auf diesen Umstand hinweist. Der Doppel-Adler auf der Flagge Albaniens geht aber vermutlich auf das Familienwappen der Fürsten Kastrioti zurück. Georg Kastrioti, genannt Skanderbeg, lebte von 1405 -bis 1468. Berühmt und verehrt wurde er als Heerführer und Freiheitskämpfer. Er schlug auf dem Balkan in 25 Jahren gegen die Türken/Osmanen ebenso viele Schlachten. Politisch sehr wendig, war er bei der Wahl seiner Verbündeten nicht wählerisch, er paktierte sowohl mit dem Vatikan als auch mit den Osmanen, letztendlich vergebens. Im Vorfeld mußte bereits 1389 eine Koalition aus christlich-/orthodoxen Fürstentümern des Balkans bei der Schlacht auf dem Amselfeld gegen ein osmanisches Heer unter Sultan Murat I. eine fatale Niederlage einstecken. Der Balkan wurde nach und nach osmanisch/muslimisch, was die Kommunisten 1967 unter Enver Hodscha änderten und Albanien zum atheistischen Staat erklärten, bei der Religionsausübung streng verboten war. Dem Nationalhelden Skanderbeg wurde für seine Heldentaten 1968 in Tirana ein monumentales Denkmal gebaut. Das kleine Albanien war und ist Heimat weiterer, weltberühmter Persöhnlichkeiten wie Mutter Theresa, die Sängerinnen Rita Ora, Dua Lipa, die Belushi Brüder und weitere. Der Balkan ist eine nicht klar zu definierende Halbinsel im südöstlichen Europa, grenzt im Norden mit den slowenischen Alpen an den Alpenhauptkamm, im Südwesten an das Adriatische Meer, im Süden an das Ionische und ägäische Meer. Im Nordosten grenzt im Prinzip der Verlauf der Donau den Balkan ein. Landschaftsbestimmend sind im Norden das Dinarische Gebirge mit dem südlichen Auslauf in das Pindus Gebige und im Osten das Balkangebirge (höchste Erhebung der gesamten Balkanhalbinsel ist der Masala in Bulgarien mit 2.925m). Unter dem weströmischen Kaiser Honorius und seinem oströmischen Kollegen Falvius Arcadius, der gleichzeitig auch sein älterer Bruder war, wurde 395 n.C. das römische Reich für immer geteilt. Die Grenze zwischen West- und Ostrom verlief von Ragusium, dem heutigen Dubrovnik, nach Sirmium, dem heutigen Sremska Mitrovica in Serbien, wo es an den Pannonischen Donaulimes und somit an das freie Germanien grenzte, in dem in dieser Zeit die Langobarden siedelten. Diese alte Grenze ist auch heute noch sichtbar, wenn man den Grenzverlauf zwischen Kroatien, Bosnien-Herzegovina und Serbien ansieht.









Sammlung lohnenden Ziele und Must’s
Mostar Brücke, Zadar, Ohrid See (Mazedonien), Ada Bojana, Krka Nationalpark, Insel Pag, Dubrovnik, Kirche St. Joan Kaneo, Bucht von Kotor, Durmitor Nationalpark, Sandstrand in Ksamil, Stadt der 1000 Fenster in Barat, Burg Rozafa, das blaue Auge in Syri i Kalter, Osum Schlucht






Die Vorbereitungen zum Start Richtung Süd-Osten sind fast abgeschlossen. Die wichtigsten Unterkünfte in Kroatien, Montenegro und Albanien sind gebucht und bestätigt. Der Flying Carpet war in der Wartung und hat neue Brembo Sinter- Bremsbeläge sowie einen neuen Metzeler Roadtec Z8 Vorderreifen bekommen. Ein Rechnerabsturz nach einem Windos Update kurz vor unserem Start hat etliche Stunden Mehrarbeit beschert, um die z.T. verlorenen Routenpläne zu rekonstruieren. Wenn man heute, Samstag 20. April 2024, in Siegsdorf/Hörgering aus dem Fenster sieht, ist man froh, nicht fahren zu müssen, Vor allem nicht mit einem Motorrad. Dichter Schneefall bei 1 bis 2° Celsius. Hoffentlich ist es in einer Woche wärmer.


Momentan ist der in einer Woche zu befahrende Vrsic Pass in Slowenien nur für PKW mit Winterausrüstung zugänglich, lt. Wettervohersage soll es nächste Woche dort aber wieder 18 Grad Celsius haben… also gute Aussichten.
Sonntag, 28.04.2024
Sooo.. los geht’s. Die Pferde sind gesattelt und gepackt. Ein erneuter Check der Planstrecke ergab, dass der Vrsic Pass noch immer nicht befahrbar ist. Der neue Plan ist, über Obertauern und Katschberghöhe dann auf Autobahnen nach Ljubljana zu fahren. Dort haben wir dann mehr Zeit für eine Stadtbesichtigung von Laibach, dem alten Namen der österreichischen K&K Provinzstadt Ljubljana.

Von Obertauern, wo noch zahlreiche Skifahrer unterwegs sind, wollen wir über die Katschberghöhe fahren. Denkste, gesperrt, wir müssen leider doch durch den 2. Tunnel auf der A10 Richtung Villach.



Nach einer ereignislosen und guten Fahrt durch den Karawanken Tunnel und der Autobahn E61 haben wir unser erstes Ziel, Hotel Asteria in Ljubljana, erreicht. Wir haben uns bei Ankunft gleich Fahrräder reserviert, mit denen wir jetzt die Stadt erkunden wollen. Noch zu Fuss wollen wir uns als erstes das nebenan liegende Künstlerviertel Metelkova ansehen und anschließend in der pittoresken Altstadt die Fahrräder abholen.




























Wir sitzen gerade im Biergarten vom Fany & Mary Pub neben der Ljublijanica, genießen die letzten Strahlen der Abendsonne bei 20°C sowie zwei kühle Blonde. Im Biergarten rund um uns ein junges, internationales Publikum. Wir müssen konstatieren, dass Ljubljana eine enorm schöne Stadt ist. Auffallend ist, dass die jüngeren Slowenen hier alle ein gutes Englisch beherrschen. Die Altstadt mit ihren netten Gassen, das Autonomy Social Center Metelkova mit den coolen Graffitis, die imposante Burg und der Dom, der Tivoli Park, absolut eine Extrarreise wert. Haben wir in unsere Bucketlist aufgenommen.
Montag, 29.04.2023
Nach einem eher durchschnittlichen Frühstück im Hotel Asteria packten wir den Flying Carpet mit unseren Utensilien und machten uns auf den Weg zum nächsten Ziel, Hotel Skradinski Buk in Skradin. Über kurvige Landstraßen fuhren wir zunächst auf die A2, anschließend E71, um dann in Senj die E65, die Küstenstraße, zu nehmen. Hier ist Bikers paradise, Kurven und nochmals Kurven. Bei angenehmen 25 Grad kamen wir kurz vor 17 Uhr im Hotel an. Wir kauften in einem Lädchen in der Hauptgasse noch einige Lebensmittel für unseren morgigen Ausflug zu den Krka Wasserfällen und erkundeten das Örtchen Skradin. Dieses Örtchen ist eine der ältesten Ortschaften Kroatiens und wurde von den Illyrern gegründet. Ab 2. Jahrhundert war es römische Provinz, später wechselte die Herrschaft zwischen Osmanischem Reich und Venedig. Seit der Neuzeit ist es Teil Kroatiens.













Dienstag, 30.04.2024
Heute hat unser “ Flying Carpet“ Ruhepause, wir bleiben aber in Bewegung. Krka Nationalpark alles zu Fuss…so sehen wir viel mehr, als wie mit dem Boot. Es ist ein Frühlingsspiel der Natur, alles lebt, bewegt sich, wächst und strahlt in der wärmenden Sonne des Südens…ein Genuss für alle Sinne. Der Hinweg über staubige Wege ist aber ganz schön fordernd.









Ein Besuch der Wasserfälle ist absolut empfehlenswert. Unser Plan war, zu Fuß zu den Wasserfällen zu laufen und mit dem Schiff, dass im nicht ganz billigen Eintrittspreis includiert ist, zurückzufahren. Leider standen am Schiffsanleger so viele Leute, so dass das Schiff nicht alle Passagiere aufnehmen konnte. So auch uns. Na super…. Da wir nicht in der prallen Sonne auf das nächste Schiff warten wollten, beschlossen wir, zurück zu Fuß.




Mittwoch, 01.05.2024
Nach unserer gestrigen Exkursion zum Krka Nationalpark geht es heute wieder ans Packen. Unser nächstes Ziel ist Dubrovnik. Wir werden Split auf der Autobahn umfahren und uns bei Dubci wieder auf die Küstenstraße E65, der „Jadranska Magistrala“ begeben. Die kurvenreiche Jadranska Magistrala wurde in den 1960er und 1970er Jahren erbaut, führt von Rijeka bis Kotor in Montenegro und gilt als eine der schönsten und malerischsten Küstenstraßen weltweit. Dann gibt es wieder Kurven satt.





Auf dem weiteren Weg in den Süden haben wir den Neum Korridor umfahren. Die E65 verläuft hier über die spektakuläre Peljesač Brücke auf die Halbsinsel Ston und wieder zurück Richtung Dubrovnik. Es war auf der Brücke sehr windig und im Südwesten drohte ein Niederschlagsgebiet am Horizont, so dass wir wohlweislich unsere Regenklamotten überzogen.































Donnerstag, 02.05.2024
Das gestrige Gewitter hat sich gänzlich verzogen, ein freundlicher Morgen begrüßt uns mit einer frischen Brise sowie einem Sonne- Wolkenmix. Nach der ausgiebigen, nachmittäglichen Exkursion der Altstadt von Dubrovnik steht heute nach dem Frühstück ein etwas aufwendiger Packvorgang an. Den Flying Carpet aus der Parkgarage holen, unser Reisegepäck 80 Stufen runter zur Straße tragen und dort aufpacken.

Und jetzt kommt’s… Beim Einlösen der Parkkarte zeigt der Automat 133 EUR an. Kann doch nicht stimmen. Ich war dem Herzkasper verdächtig nahe. Die Vermieterin hat doch von 25 EUR gesprochen bzw. geschrieben ?!. Nebenstehender Kassenwart bestätigte den ungeheuren Betrag. Dubrovnik…diese verkappten Seeräuber haben wohl die Säbel gegen Laptop getauscht. 7, in Worten „sieben“ EUR für jede angefangene Stunde, einfach unglaublich, die spinnen wohl komplett. Da nehmen sich die Parkgebühren in der Innenstadt von München geradezu bescheiden aus. Aber bei näherer Betrachtung…selber Schuld, war ja eine Preisliste am Kassenautomat. Evi hat einstweilen mit dem Gepäck an der Straße auf mich gewartet. Da ich nicht sofort wiederkam, hat sie ein ungutes Gefühl beschlichen. Sie war letztendlich froh, dass es „nur“ die exorbitante Parkgebühr war, die diese Verzögerung verursacht hat. Wir fuhren die E65 Richtung montenegrinische Grenze, um kurz nach Dubrovnik links auf die Straße 223 abzubiegen und der Straße zur Grenze von Bosnien und Herzegowina zu folgen. Nach den Grenzformalitäten ging es Richtung Mostar, unserem heutigen Zwischenziel.


Als südlichste Stadt Kroatiens ist Dubrovnik eine Enklave, deren Ursache von der Seerepublik Ragusa, deren Hauptstadt Dubrovnik bis 1808 war, mit Absicht herbegeführt wurde. Man trat beim Frieden von Karlowitz 1699 dem Osmanischen Reich etwa 5 km Land am Mittelmeer ab, um einen Puffer (Neum Korridor) zwischen sich und dem Konkurrenten in Form der Republik Venedig, zu bekommen. Aus diesem Grund hatte das Osmanische Reich erstmals Zugang zur Adria und in der Folge dann Bosnien-Herzegowina.


Nach einer ereignislosen Fahrt Richtung Mostar auf geschwungenen Landstraßen mit wenig Verkehr erreichten wir gegen 13:00 Mostar, wo uns der Muezzin über Lautsprecher aus etlichen Minaretten empfing. Unterwegs hat uns beide irgendwie so ein komisches Gefühl beschlichen. Dieses Land wirkt irgendwie unlebendig, zombihaft. Mostar selbst war dafür aber sehr lebendig. In der Nähe der „Stari Most“, der alten Brücke, bekamen wir einen Parkplatz und machten uns auf den Weg, das berühmte Wahrzeichen zu begutachten. Die Neugier und der Hunger führten uns ins Terrassen- Restaurant Bijeli Bar unmittelbar neben der Neretva und unweit der „Stari Most“, der historischen Bogenbrücke. Nach einem Bummel duch die Altstadtgassen machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Montenegro.






Von hier bis zur bereits gut sichtbaren Kontrollstation 75 min Wartezeit
Die Fahrt von Mostar nach Niksič in Montenegro verlief ereignislos, man könnte fast sagen langweilig auf bosnisch-herzegowinischer Seite. Keine Höhen, kaum Kurven. Einziger Aufreger war dann der Grenzübertritt. 75 min für ein paar Autos und Lastwagen. Aber die Grenzbeamten brauchen ja auch eine sinnstiftende Aufgabe. Es war, gelinde gesagt, ein schlechter Witz. Interessant wurde es dann auf montnegrinischer Seite. Guter, griffiger Asphalt, schöne Kurvenverläufe. Spielverderber war dann eine montegrinische Polizeistreife, die bei durchgezogener weißer Mittellinie mit 30 km/h vor uns her fuhr. Nachdem wir und zwei Typen aus Heilbronn auf KTM Enduros dem Drang zu überholen widerstanden, gaben die Ordnungshüter, bei denen vorne nur ein Scheinwerfer funktionierte, nach etwa einem Kilometer klein bei und fuhren rechts ran. Bei wechselhaftem, windigem Wetter erreichten wir unser Hotel Royal Garden in Niksic um festzustellen, dass wir die einzigen Gäste waren. Die Unterkunft machte auf Anhieb einen durchaus gepflegten Eindruck.

Montenegro präsentiert sich gut und deftig

Die Straßen ab dem Grenzübergang Bosnien -Herzegowina in Richtung Niksič, Montenegro, sind zum Niederknien schön. Toller, griffiger Asphalt, wunderbare, harmonische Kurvenradien, eine BMW RT, die liegt wie ein Brett, ein wahrlich traumhaftes Vergnügen.
Freitag, 03.05.2024
Heute morgen wollten wir frühstücken, was allerdings nicht auf Anhieb gelang. Wir dachten zuerst, wir wären allein, als eine Bedienstete auftauchte. Wir stellten fest, dass sie weder englisch, deutsch oder italienisch sprach, nur serbisch. Mit unserem Google Übersetzer konnten wir dann herausbekommen, dass es das Zimmermädchen ist. Jetzt konnten wir immerhin ein brauchbares Frühstück bekommen. Im Moment regnet es wieder und wir schreiben an unserem Blog oder planen die nächsten Routen.
Der Plan für morgen steht, es geht zur Kotor Bucht, da es morgen für die Tour Durmitor Nationalpark zu kalt ist, 1° und nachts z.T. Schneefall.

Samstag, 04.05.2024
Um 07:00 haben wir Frühstück bestellt, klappt heute hoffentlich besser. Yes, es hat geklappt, feines Royal Garden Frühstück. Das Hotelpersonal ist enorm aufmerksam und freundlich.















Nach unserem Ausflug über die sehr kurvigen, aber gut ausgebauten Überlandstraßen M6 und P11 in die Bucht von Kotor beschlossen wir, im Anschluß noch das Kloster Ostrog zu besuchen. Im Vorfeld hatte ich mir die Route schon mal angesehen und festgestellt, „anspruchsvoll“. Davon habe ich Evi aber nichts erzählt. Das Kloster, nach Jerusalem und Athos der am 3. meist besuchte Wallfahrtsort der Christenheit, wurde Mitte des 17. Jahrhunderts in ca. 900m Höhe in eine Felswand gebaut. Ab Niksič sind ca. 250 Höhenmeter zu überwinden. Insbesondere die letzten 14 Haarnadelkuven haben es in sich, zudem es sich um eine einspurige Straße handelt. Man sollte tatsächlich passabel Bike-Fahren können wenn man Kleinbussen und PKW ausweichen muss.




Sonntag, 05.05.2024
Ein strahlend schöner, aber frischer Morgen erwartet uns. Nach unserem Frühstück werden wir die Durmitor und Taraschlucht Expedition beginnen.








Evi und Alf auf Abwegen, Evi hat diese Strecke ausgesucht und nachher festgestellt dass die eigentlich für Mountainbikes gedacht ist, erst unterhalb eines Sesselliftes hoch, dann auf schmalen Waldwegen hoch bis zur Baumgrenze, anschließend auf abenteuerlichen, 2m breiten Wegen an abgrundtiefen Schluchten entlang, die gewonnenen Eindrücken waren allerdings gewaltig, im wahrsten Wortsinn








Mehr Kurven an einem Tag bin ich selten gefahren. Es gibt hier in Montenegro keine einzige Autobahn und kaum eine Straße, die mehr als 200m Gerade hat, meist Kurven. Im Prinzip kann man sagen, Montenegro besteht nur aus Berg und Tal. Allein unsere Durmitor Runde hatte gut 100km und gefühlt 1.000 Kurven. Die befahrenen Straßen waren ab Žabljak im Prinzip Singletrack, also für nur ein Fahrzeug geeignet, überholen war nicht möglich. Die Straßenqualität erforderte eigentlich eine GS oder deren Kollegen, aber die RT schlug sich mit der Fahrwerkseinstellung Soft und im Rainmodus ganz beachtlich. Meine Sozia hat sich nicht beklagt. Einzig beim Passieren von zahlreichen, ungesicherten, kleineren Hangrutschungen, die dem z.T. rabiaten Straßenbau bzw. lockeren Karstgestein geschuldet sind und bei Regen rötliches Erdreich sowie kleinere Felsstücke auf die Fahrbahn spülen, kamen die Antworten über unser Interkom etwas verhalten. Bei Gegenverkehr mußte ausgewichen werden. Es war im Gebirge bei Linkskurven ohne Sichtkontakt auf der Aussenspur etwas knifflig und erforderte eine gewisse Vorsicht. Heute Abend findet im Hotel eine montenegrinische Taufparty statt. Da die Mutter des etwa 2 jährigen Täuflings mit Brautkleid und Schleier rumstöckelt, dachte ich zuerst, es wäre eine Hochzeit. Die Musiker versuchen mit Balkanpop und dem Bassregler auf Anschlag die überwiegend jüngeren Partygäste zu betäuben. Leider auch uns. Wir halten dagegen, Evi mit Motorrad-Ohrstöpsel und ich mit meinen Helmlautsprecher. Dazu muß man wissen, dass das Hotel Royal Garden den Zusatz Event Center trägt und deshalb dort Veranstaltungen stattfinden. Wir hatten jetzt bereits 2.

Montag, 06.05.2024
Heute gab es nur eine kleine Biketour, wir wollten den Piva Stausee und die Piva Schlucht erkunden. Da wir die Serpentinen der P14 auf der westlichen Seite zur Piva Schlucht noch nicht gefahren sind, beschlossen wir kurzerhand, den Sedlo Pass noch einmal zu fahren, nur in gegengesetzter Richtung. Bei der Fahrt durch das Hochtal kurz nach dem Sedlo Pass konnten wir einen Eindruck über die Fahrweise der hiesigen Bevölkerung gewinnen. Wir fuhren abwärts und langsam auf eine Kurve zu, ohne Sichtkontakt zur Gegenspur. Wir hatten das entgegenkommenden Auto bereits registriert, als wir ca. 15m vor dem Kurvenscheitel von einem roten Uraltgolf überholt wurden. ….auf einer einspurigen Fahrbahn. Ein sofortiger Stop war zwingend, denn die beiden Autos wären am Kurvenscheitel beinahe kollidiert und wir dann mit. Ähnliches mit anderen Protagonisten hatten wir eine Stunde vorher auf der Schnellstraße erlebt. Es ist hier durchaus zweckmäßig, dem Hintermann oder dem Entgegenkommenden ein solches Fahrmanöver zuzutrauen und dementsprechende Umsicht walten zu lassen. Die fahren z.T. wie die Verrückten. Wer kommt bei uns auf die Idee, auf einer breiten Straße vor einer Rechtskurve ohne Sicht auf den Gegenverkehr auf der linken Gegenspur mit mindestens 120 km/h um die Kurve zu fahren?














Dienstag, 07.05.2024
Heute wollten wir nochmal nach Kotor über E65 und M2, diesmal aber Richtung Süd-Osten nach Podgoriza, der Hauptstadt Montenegros, an den Skutarisee, um diese Ecke von Montenegro auch kennenzulernen. Kurz nach der Brücke über den Skutarisee nahmen wir dann die M2, die über einen Bergkamm Richtung Petrovac führte, wo sie wieder auf die Küstenstraße E65 traf. Es waren tolle Aussichten aber eine miserable Straße, wellig, löcherig.










Ursprünglich war der Plan, zurück über die Serpentinen von Kotor zu fahren, diesen Plan haben wir aber verworfen, da am Tag viele Touristenbusse die Strecke blockieren und stop and go brauchen wir hier nicht wirklich. So beschlossen wir, mit der nagelneuen Lovčen Seilbahn die imposante Bucht von oben zu betrachten. Gesagt getan. Das Wetter hat auch mitgespielt. Es war windig und leicht wolkig, aber trocken. Oben angekommen, klarte es dann auf und wir konnten das gesamte Gebiet um die Bucht von Kotor großräumig überblicken. Nach dem Studium der Speisekarte des neben der Bergstation legenden Restaurants beschlossen wir, doch nur einen Espresso zu bestellen. Nachdem wir viele schöne Fotos geschossen hatten, gings wieder zurück nach unten. Bei etwa 2/3 der Strecke plötzlich Stop. Wir saßen fest. Etwa 15 min passierte gar nichts und wir entledigten uns unserer Jacken, da die Temperaturen in der Gondel deutlich anstiegen. Dann ein Ruckeln und die Gondel setzte sich erneut in Bewegung, diesmal aber quälend langsam. So konnten wir bei dem Schneckentempo die Bucht von Kotor nochmal sehr ausgiebig betrachten. Unten angekommen, sahen wir, dass die Bediensteten der Seilbahn keine neuen Gäste mehr in die leeren Gondeln ließen. Sie erklärten uns, dass vermutlich ein Bagger an der nahen Baustelle die Stromkabel durchtrennt habe und somit nur noch ein Notbetrieb möglich sei. Glück gehabt.






Mittwoch, 08.05.2024
Nach unserem letzten Frühstück im Hotel Royal Garden in Montenegro packten wir unseren Flying Carpet und legten bei freundlichem Wetter los, erneut über die M18/E762 Richtung Podgorica, der Hauptstadt des 620.000 Einwohner zählenden Staates Montenegro. Die südlichen Vororte von Podgorica Richtung Albanien zeigten sich leider als ziemliches Armenhaus, Kinder die auf Müllkippen Sachen sammeln, brennender Müll am Straßenrand, ärmliche Behausungen, ein sehr differenziertes Bild des etwas verschlafenen Staates. Von hier ging es Richtung albanische Grenze zum Grenzübergang Grabom, immer auf sehr kurvenreicher Straße dem Gebirgsfluß Cijevna entlang. Als Höhepunkt befanden sich die Serpentinen von Grabom unmittelbar nach der Grenze. Nach dem Erreichen der Passhöhe ging es auf albanischen Straßen talwärts Richtung Durres. Die ersten Meter bestätigten unser Bild und sowie Vorurteile von Albanien. Müll an den Straßenrändern, alte Autos, Esel an der Straße, querende Schafe, Schlaglöcher etc.. Diese Vorurteile sollten sich im Laufe der Reise aber gehörig ändern. Als Zwischenziel für eine Pause hatten wir das Weingut Mrizi i Zanave gewählt, welches mehr oder weniger am Weg lag. Aus nachvollziehbaren Gründen konnten wir leider nicht an einer Weinverkostung teilnehmen, stattdessen begutachteten wir den gutseigenen Shop mit den ausgestellten Weinen, das Spitzenprodukt zu tatsächlich 120.- EUR je Flasche, kosteten den dort hergestellten speziellen Weinkäse… und waren enttäuscht. Dieser war in einem früher gesehenen Video überschwänglich gelobt worden, schmeckte aber in der Realität recht gewöhnlich, trotz des offensichtlich genossenen Rotweinbades.

















Donnerstag, 09.05.2024
Nach einer ausgiebigen Wetterkunde auf Wetter online in und um Vlora, beschlossen wir, heute der Stadt Berat einen Besuch abzustatten und falls möglich, die Tour um die Osum Schlucht zu ergänzen. Nach dem sehr ordentlichen Frühstück im Hotel machten wir uns bei schwülwarmen Wetter auf den Weg nach Berat, der Stadt mit den 1.000 Fenster. Da wir uns auf die Fahrweise der Albaner eingestellt haben, hat es uns dann nicht mehr gewundert, dass uns vor Kuppen oder Kurven Autos oder Lieferwagen überholt haben, trotz Überholverbot. Die geltenden Geschwindigkeitsvorschriften bzw. Verkehrszeichen allgemein, scheinen entweder nicht bekannt zu sein oder schlichtweg ignoriert zu werden. Überholt wird überall. Der krasseste Fahrer fuhr heute Mercedes, überholte uns und noch ein Auto in einem Kreisverkehr, indem er diesen verkehrt befuhr, um uns so zu überholen. Wir fuhren eher verhalten und meist weit rechts, was uns nach Kurven ohne Sicht auf den Gegenverkehr, gute Dienste geleistet hat, wenn uns mehrfach zwei Autos nebeneinander entgegen kamen. Aufgefallen sind uns auf den Weg nach Berat luxoriös wirkende Gebäude neben Autobahnen und Schnellstraßen. Dies sind, erklären uns die Einheimischen, Event Center für Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Jubiläen etc. Protzig und z.T. geschmacklos gebaut ohne jegliches Understatment.


















Freitag, 10.05.2024
Für heute hatten wir uns nichts Konkretes vorgenommen. Einfach mal alle Viere gerade sein lassen. Beim Stadtbummel durch Vlora haben wir ein wenig eingekauft. Beim Espresso im Straßencafé hat sich eine weniger schöne Erfahrung ergeben. Bettler, es gibt sie an etlichen Stellen der Stadt, vom Greis bis zu schulpflichtigen Kindern. Es wird aktiv gebettelt, auf der Straße, aber auch in Cafés. Die Behörden tolerieren dies offenbar. Wie sich überhaupt beim Blick auf Albanien ein recht zwiespältiger Eindruck verfestigt. Ja, es findet sich Müll neben den Straßen, ja es werden Abwässer ungeklärt ins Meer gespült, ja, es sind viele herrenlose Straßenköter neben den Straßen, ja, es stehen Kühe und Schafe neben 4 spurigen Schnellstraßen, ja, viele Straßen sind löchrig und ja, die Albaner können nicht autofahren. Aber…! Albanien befindet sich im Aufbruch. Die Straßen sind weit besser als befürchtet, sie fahren zwar wild aber passen aufeinander auf, überall Bautätigkeit. Die Albaner sind enorm rührig und auch ehrgeizig. In einer Dekade wird Albanien ein ganz anderes Gesicht zeigen.







Samstag, 11.05.2023
Das Wetter in Vlora macht uns ein wenig zu schaffen. Wir haben regelmäßig Gewitter hier. Die gestrige Wettervorhersage hatte uns noch zum Ausflug auf den Llogara Pass animiert. Die heutige Wettervorhersage war dann schon wesentlich fragiler. Wir wagten den Trip trotzdem. Auf dem höher gelegenen Vlorë Bypass machte Evi ein paar Bilder. Je weiter wir Richtung Südosten fuhren, desto schwärzer wurden die Wolken. Nachdem wir etliche Regentropfen abbekommen hatten, brachen wir die Expedition ab. Wir zogen uns nach der Rückkehr um und wollten noch in die Stadt zum Geld wechseln sowie im Drogeriemarkt etwas besorgen. Beim Verlassen von Rossmann wurden wir von einem krassen Platzregen überrascht.


…auf der Bergstrasse sind uns Esel, Kühe und Ziegen begegnet, aber sonst kaum Verkehr. Mitten in Vlora führt die Oma ihr Schaferl Gassi…..es gibt hier einfach krasse Gegensätze.





Nachdem wir heut unsere Biketour zum Llogarapass wegen drohendem Gewitter vorzeitig abbrechen mußten, wurden wir nach dem Starkregen mit einem langen Spaziergang am Strand von Vlor belohnt. Wunderschöne Strandimpressionen ein leckeres Abendessen direkt am Strand und ein grandioser Sonnenuntergang entschädigen für alles. Den Llogarapass haben wir uns für morgen nochmal vorgenommen, dann auf der Fahrt nach Ksamil.



















Sonntag, 12.05.2024
Unser Aufenthalt im Hotel Kraal und Vlora neigt sich dem Ende zu. Vlora hat uns gestern Abend mit einem tollen Abendessen sowie einem grandiosen Sonnenuntergang für die Wetterkapriolen der letzten Tage entschädigt. Nachdem wir auch Kaffe bekommen hatten, vor uns stand eine ganze Schlange französischer Rentner vor dem Kaffeautomaten, setzten wir unser Frühstück gemütlich fort und packten erneut unsere Siebensachen für die Weiterrreise mit unserem Fliegenden Teppich. Nächstes Ziel Llogara Pass.




























Das Hotel Joni in Khsamil war ein purer Genuß , wir waren fasziniert vom Ambiente
Montag, 13.05.2024
Da Ksamil, direkt gegenüber von Korfu, unser südlichster Punkt unserer Reise war, begannen wir die Rückreise in den Norden. Nach unserem reichlichen Frühstück machten wir uns auf zur nächsten Attraktion, dem blauen Auge. Über kurvenreiche Fahrtstrecken von etwa 30 min erreichten wir Syri i Kalter, das blaue Auge.

Das „blaue Auge“ drückt aus über 50m Tiefe, eine genaue Messung steht noch aus, ca. 7 – 9 m³/sec (7.000 – 9.000l/sec) kristallklares Gebirgswasser senkrecht nach oben in eine natürliche Quellfassung, um dann als Gebirgsfluß dem Tal zuzustreben. Die Quelle bietet ein spektakuläres Farbenspiel in allen Türkis-/ Blautönen und gibt mit dem umstehenden Blattgrün ein einzigartiges Ensemble ab.








Über die sehr kurvenreiche SH 99/SH 78 und SH4 erreichten wir Gjirokastra, die Stadt der 1.000 Stufen, jetzt auch UNESCO Kulturerbe und mit ca. 2.400 Jahren eine der ältesten Städte Albaniens. Das Stadtzentrum konnten wir wg. Baustellen mit dem Bike leider nicht erreichen und haben auf einen Besuch zu Fuß verzichtet, da wir noch über 300 km Weg vor uns hatten. Auf dem Weg zurück zur Verbindungsstraße trafen wir noch 2 deutsche Biker, die uns, neben Fachsimpelei über die verwendeten Bikes, von ihrem Roadtrip über Ungarn, Ukraine, Rumänien, Nordmazedonien nach Albanien berichteten. Bei der Weiterfahrt Richtung Skodra auf der SH4 gerieten wir unversehens in eine bewaffnete Polizeikontrolle. Uns waren schon vorher ungewöhnlich viele Polizeifahrzeuge aufgefallen. Beamte in Uniform sowie in Zivil umringten uns und forderten uns auf, die Helme abzunehmen. Wegen eines möglichen Verkehrsverstoßes gleich mit dem Maschinengewehr…? Kaum hatten wir die Visiere hochgeklappt und ruhig zu unseren Papieren gegriffen, wurden wir auch schon aufgefordert, weiterzufahren. Evi erfuhr den Grund der Aktion kurz darauf in einer Apotheke. Es hatte wohl vor kurzem zwei Morde gegeben, einer der Ermordeten war Polizist und das andere Opfer die Mutter des Täters, die Mörder auf der Flucht. Wir setzten dann unsere Fahrt Richtung Skodra ohne weitere Behelligung fort. In Skodra hat uns dann das Google Navi einen Streich gespielt. Wir hatten die reguläre Zufahrt zum Hotel Shpija i Gjyshit überfahren, als uns Google eine Alternativstrecke offerierte. Die rechtwinklige Zufahrt in ein Seitengäßchen war mit dem schweren Bike schon abenteuerlich genug, als wir nach einer scharfen Linkskurve vor einer extrem steilen Auffahrt das Bike zum Stillstand bringen mußten. Keine Chance, ohne Anlauf da hoch zu kommen. Also absteigen, wenden und zurück. Währenddessen kam aus einem angrenzenden Haus eine freundliche Dame, die unser Malheur beobachtet hatte, und versuchte, uns in gebrochenem Englisch den richtigen Weg zu erklären. Offensichtlich waren wir nicht die Einzigen, die hier schon eine Havarie hatten. Plötzlich drehte sie sich um und holte ihren Sohn aus dem Haus. Dieser sprach erstaunlicherweise neben englisch auch etwas deutsch und erklärte uns, dass er im Nachbarhotel arbeite und wir ihm auf seinem Roller folgen sollten. Nachdem das Bike gewendet war, folgten wir ihm und fanden das Hotel Shpija i Gjyshit dann problemlos. Freundliche und hilfsbereite Leute, die Albaner.




Zum Abschluß unseres Aufentaltes in Albanien orderten wir zum Dinner landestypische Gerichte wie Schaffleisch mit Kartoffel, gebratenen Käse, Börrek, Fischsuppe, ….mächtig aber gut. Dazu gab es das gute, montenegrinische Nikšićko Pivo.

Wir lassen den Tagmit einem typischen albanischen Abendessen und Blick auf die Burg Rozafa im Hotel Shpija i Gjyshit, was auf deutsch „Großvaters Höhle“ bedeutet, gemütlich ausklingen. Die Burg Rozafa wollten wir morgen besuchen, wenn es nicht regnet. Auf dem 130m hohen Hügel haben die Illyrer im 4. Jahrhundert eine Stadt am Abfluss des Skutarisees mit dem Namen „Scodra“ errichtet und nach Untergang des römischen Reiches nutzten die Byzantiner und Venezianer die damalige Stadt als Burg und bauten sie massiv aus. Nach Eroberung durch die Osmanen 1479 waren Stadt und Burg bis zur Unabhängigkeit Albaniens 1913 in deren Besitz.
Dienstag, 14.05.2024
Der gestrige Tag war ohne Regen ausgekommen, doch die Wolkenfront am Abend verhieß nichts Gutes. Nun so war es dann auch, nach öffnen des Fensters, Regengeprassel. Unsere Burgerkundung ist somit leider im wahrsten Sinn des Wortes ins Wasser gefallen. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel Shpija i Gjyshit packten wir gemächlich ein und zogen unsere Regenklamotten an. Nachdem wir gestern Abend die Mitarbeiter freundlich und aufgeräumt erlebt hatten, war es uns umso befremdlicher, dass heute am Frühstücksbuffet eine etwas resolute, blondierte, unfreundliche Mamsell, das Regiment führte. Na gut…. Bei strömenden Regen machten wir uns von Skodra auf zum Grenzübergang Muriqan. Als wir dort ankamen, bot sich uns ein skuriles Bild. Vor der albanischen Grenze nach Montenegro hatte sich eine Autoschlange gebildet, an der eine ganze Bettlerschar bei strömendem Regen versuchte, Geld zu sammeln, vom 5 Jährigen Jungen über halbwüchsige Mädchen und bunt gekleideten Frauen bis zum Greis im Rollstuhl. Der fuchtelte mit einem Gehstock herum und gab Kommados. Auf sein Geheiß wurden wir als Biker nicht mehr belästigt, er gab uns sogar auf englisch den Tipp, mit dem Bike den Fußweg zwischen den Grenzstationen zu benutzen, was dann auch tatsächlich funktionierte. Auf der Weiterfahrt über Bar, Petrovic, Budva und Herceg Novi in Richtung Baška Voda in Kroatien nutzten wir zum wiederholten Male die Fähre zwischen Leptane und Kamenari, um die Bucht von Kotor zu überqueren.





Wir umfuhren auf dem Weg nach Baška Voda in Kroatien erneut den Neum Korridor über Ston und die Plejesac Brücke. Auf der hier mautpflichtigen E65 fuhren wir Richtung Nordwesten, um bei Zagvosd diese zu verlassen und durch den Tunnel Sveti Ilija, mit 4.248m der viertlängste Tunnel Kroatiens, das imposante Biokovo Gebirge zu durchfahren um Baška Voda an der Adria zu erreichen. Nach Ankunft um 19:00 konnten wir den Fliegenden Teppich in einer Garage unterstellen und machten uns anschließend auf, an der Marina noch ein Abendmahl einzunehmen. Unser Hotel hatte uns das Restaurant Karlo empfohlen, was sich dann auch als guter Tipp erwies.







Mittwoch, 15.05.2024
nach einem durchaus reichlichem Frühstück im Hotel in Baska Voda sattelten wir unseren Fliegenden Teppich und begannen unsere weitere Heimreise Richtung Norden zum vorher von Evi online gebuchten Hotel Roskar in der Nähe von Maribor. Nach erneuter Durchfahrt des Tunnels Sveti Ilija nahmen wir die bergige und interessante Autobahn E65/A1 Richtung Zagreb. Eine deratige Autobahn gibt es in ganz Deutschland nicht. Sie ist kurvenreich und durchfährt eine Menge Tunnels, darunter die längsten Straßentunnel Kroatiens, den Mala Kapela und den Sveti Rok mit je ca. 5,8 km. Vor Zagreb wurde der Verkehr dann ziemlich zähflüssig, löste sich in Richtung Maribor, Slowenien, dann aber wieder auf. Gegen 17:00 kamen wir bei unserer heutigen Unterkunft Hotel Roskar an.







Donnerstag, 16.05.2024
nach einem relativ lieblosem Frühstück im Hotel Roskar packten wir unser Gepäck auf den Fliegenden Teppich und machten uns auf den Weg Richtung Österreich bei nasskaltem, regnerischem und windigem Wetter. Bei der Fahrt auf der Pyhrnautobahn, welche sich die österreichischen Raubritter von der ASFINAG trotz „Pickerl“ teuer bezahlen lassen, beschlossen wir, eine prognostizierte Schönwetterlücke um 13:00 bis 15:00 zu nutzen, um durch das Gesäuse zu fahren. Tatsächlich klarte es wie erwartet um diese Uhrzeit auf, so dass wir die Landschaft bei Eisenerz, Gstatterboden und Admont klar erkennen konnten. Die Schönwetterlücke entpuppte siche dann allerdings eher als Schönwetterspalt mit Deckel, die Berggipfel bleiben wolkenverhangen und die Sicht betrug nur einige Kilometer. Auf dem Weg ins Gesäuse näherten wir uns auf schmalen Landstraßen Eisenerz, als uns linkerhand der Erzberg ins Auge stach. Gewaltig, das Ding. Wie eine riesige, in die Berglandschaft geworfene, rotbraune Pyramide mit dutzenden Etagen, jede wohl über 20m hoch. Hier bauen 250 Mitarbeiter im Jahr ca. 12 Mio Tonnen Gestein ab, aus denen etwa 3 Mio Tonnen Feinerz gewonnen werden. Es gilt als weltweit größtes Vorkommen an Siderit und ist größter Eisenerztagebau Mitteleuropas. Bei der Durchfahrt der Gesäusestraße tauchte das Stift Admont, gegründet 1074, auf. Das Stift ist berühmt für den weltweit größten, klösterlichen Büchersaal, der 70.000 Bücher umfaßt. Der Gesamtbestand im Stift umfaßt allerdings 200.000 Bücher. Da am Horizont neue Regenwolken aufzogen, führte der weitere Weg, statt über Landstraßen, dann über A9/A1 Richtung Salzburg mit einem kurzen Zwischenstop am Rastplatz Mondsee. Unser Endziel Hörgering erreichten wir um kurz vor 18:00. Schön war’s.











Resümee:
Unsere zweite, gemeinsame, große Motorradreise. Sie führte uns, nach knapp 4.800 km, zunächst nach Ljubljana in Slowenien, eine wunderbare Stadt mit Charme und Flair aus dem 19. Jahrhundert, die man mindestens zweimal besuchen sollte. Weiter nach Skradin in Kroatien, wo wir die sehenswerten Krka-Wasserfälle besuchten. Dubrovnik hat uns, trotz seiner sensationellen Altstadt, ein exorbitant teueres Parkabenteuer beschert. Mostar in Bosnien und Herzegowina mit seiner berühmten Bogenbrücke aus dem 16. Jahrhundert. Montenegro, das etwas verschlafene Land mit seinen herzlichen, hilfsbereiten Menschen und einer Landschaft zum Niederknien. Gigantische Schluchten, enorm kurvenreiche Bergstrecken, umwerfende Fjorde. Dann Shqipëria, Albanien, wo sich unsere Vorurteile zunächst bestätigten und wir die Straßen und die Umgebung wenig einladend fanden. Aber unsere Eindrücke änderten sich bald. Während unserer Reise ist uns dort die rege Bautätigkeit und der Aufbruch des Landes aufgefallen, trotz der Müllproblematik und den Herausforderungen im Straßenverkehr. Wir besuchten tolle Sehenswürdigkeiten wie das „blaue Auge“, einer beeindruckenden Quelle, Gjirokastra und Berat, beide sehr alt und UNESCO-Weltkulturerbestätten, Ksamil mit seinen feinen Sandstränden an türkisblauem Wasser. Insgesamt erlebten wir eine spannende, abwechslungsreiche und kurvenreiche Reise durch Südosteuropa, die uns viele beeindruckende Landschaften und historische Stätten näherbrachte. Viele der von uns besuchten Orte verdienten einen zweiten Besuch. Wir haben ja jetzt schon einige Jahre Erfahrung im gemeinsamen Verreisen und es bleibt festzuhalten, dass wir uns gut vertragen haben. Zu zweit reisen macht einfach den doppelten Spaß.
