مراكش أو الصحراء تنتظرك

Marrakesch mit Atlasgebirge im Hintergrund (Archivbild)

مراكش أو الصحراء تنتظرك “ Marrakesch oder die Wüste wartet“

…Take the train from Casablanca going south
Blowing smoke rings from the corners of my my, my, my, my mouth
Colored cottons hang in air
Charming cobras in the square
Striped Djellebas we can wear at home, well let me hear you now
Don’t you know we’re riding on the Marrakesh Express
Don’t you know we’re riding on the Marrakesh Express They’re taking me to Marrakesh Express
Don’t you know we’re riding on the Marrakesh Express
Don’t you know we’re riding on the Marrakesh Express
They’re taking me to Marrakesh
All on board the train
All on board the train, all on board…. Melody/Lyrics©: Crosby, Stills & Nash, 1969

1966 war der 24 jährige Engländer Graham Nash mit dem Marrakesh Express von Casablanca nach Marrakesch gereist. Dem damaligen Zeitgeist folgend, fand er die Mitreisenden in der First Class furchtbar langweilig, verließ diese und setzte die Reise in den „Standardwagons“ inmitten Einheimischer fort, inclusive der an anderer Stelle im Lied erwähnten Anwesenheit von Enten, Schweinen und Hühnern. Die gewonnenen, intensiven Eindrücke hat er mit seinen neuen Bandkollegen von der Rockband Crosby, Stills and Nash in diesem Song 1969 wiedergegeben und beim berühmten Woodstock Music Festival das erste mal öffentlich präsentiert. Den Zug werden wir jetzt eher nicht nehmen, aber das Ziel wird das gleiche sein. Marrakesch, die ehemalige Hauptstadt Marokkos. In der standardisierten und offiziellen 2. Amtssprache, der Berbersprache, dem marokkanischen Tamazight, heißt sie „Meṛṛakec„, was soviel wie „Land Gottes“ bedeutet. Sie liegt in einer Ebene nördlich des Hohen Atlas auf einer Höhe von etwa 450 m ü. d. M. und zählt neben Meknes, Fes und Rabat zu den vier Königsstätten Marokkos. Ende Februar 2025 werden wir der mitteleuropäischen Kälte entfliehen, in München ins Flugzeug steigen und in der marokkanischen Sahara landen.

die Festung Aït-Ben-Haddou aus dem 11. Jahrhundert (Archivbild)
schneebedekte Gipfel im Atlas Gebirge (Archivbild)

Marokko, seit 1956 unabhängig und gemäß der Verfassung von 1992 Königreich. Ursprünglich von den Berbern, der indigenen Urbevölkerung Nordafrikas seit der Antike bewohnt, prägten im frühen 1. Jahrtausend v. Ch. die Phönizier, bis zur Eroberung durch die Römer im 2. Jh., das politische und gesellschaftliche Geschehen. Germanische Vandalen und Ostrom rangen anschließend bis ins 6. Jh. dort um die Vorherrschaft. Nach der Islamisierung durch die Araber im 7. Jh. herrschten dort bis ins 20. Jh. unterschiedliche islamische Herrscher-Dynastien. Mitte des 19. Jh. teilten Spanien und Frankreich Marokko unter sich auf. 1912 wurde es französisches Protektorat. So werden neben den Amtssprachen marokkanisches Tamazight und Arabisch auch französisch in Handel, Bildung als inoffizielle Arbeitssprache benutzt. Zunehmend wird es aber von Englisch abgelöst. Als Teil des Afrikanischen Kontinents und durch die Straße von Gibralta von Europa getennt, wird Marokko geografisch von 2 Seiten vom Meer eingegrenzt, im Norden mit dem ans Mittelmeer grenzende Rif-Gebirge und im Westen mit dem Atlantik. Im Osten grenzt es an den Nachbarstaat Algerien und wird dort vom Atlasgebirge, dass von Nordosten nach Südwesten verlaufend quer durch Marokko bis fast an den Atlantik reicht, sowie der Zentralsahara begrenzt. Das Atlasgebirge erhebt sich dabei auf 4167 Meter in Form des Djebel Toubkal, der in Bergsteigerkreisen als einer der am leichtest zu besteigende 4.000er gilt, weltweit. Die marokkanische Wüste besteht nicht komplett aus weiten Sandmeeren mit romantischen Wüstenformationen. Im Norden der Marokkanischen Wüste finden sich vorwiegend flache, wellige Geröll- und Kieswüsten, so genannte Hammada. Im Südosten werden die Geröllflächen durch einzelne Sanddünen, Ergs, unterbrochen. Marokkos bergiger und wüstenförmiger Süden mit dem annektierten Gebiet Westsahara grenzt an Mauretanien und ist wegen des Westsahara-Konfliktes bis zum Abhalten eines UN-Referendums über die zukünftige Zugehörigkeit der Westsahara international umstritten. Hier hat Marokko zwischen 1981 – 1987 einen über 2.500 km langen, befestigten und verminten Wall von Norden nach Süden bis an die Grenze zu Mauretanien durch die Wüste gezogen, um die einheimischen Sahrauis, ethnische Berber, zwischen Algerien und dem von Marokko besetzten Gebiet Westsahara zu isiolieren. Der Grenzwall sowie die damit verbunden militärischen Einrichtungen, auf Satellitenaufnahmen gut erkennbar, werden auf der Westseite von ca. 100.000 marokkanischen Soldaten bewacht. Marokko lehnt einen Interessenausgleich und damit ein UN-Referendum mit der Freiheitsbewegung Polisario bis dato kategorisch ab. Moderner Kolonialismus, weniger schön.

Innenhofs eines Riad in der Medina von Marrakesch (Archivbild)

Am Tag der deutschen Bundestagswahl, dem 23.02.2025, geht es für Evi und mich ab nach Marrakesch. Nach Ankunft im Riad Francine de Marrakech, werden wir uns am Nachmittage und frühen Abend ein wenig Marrakesch ansehen wie z.B. den Marktplatz Djemaa el Fna mit seinen Gauklern, Händlern, Schlangenbeschwörer. Ob wir dann noch den El Badi-Palast aus dem 16. Jh. schaffen werden, ungewiss. Ein Riad ist ein traditionelles, marokkanisches Haus oder ein Palast mit einem Innenhof bzw. inneren Garten (arabischer Begriff für Garten riyāḍ) in der Medina (arabisch für Altstadt). Die Gestaltung dieser Innenhöfe in der Küstenregion von Marokko geht auf die lokale Übernahme der Bauweise römischer Villen zurück. Heutzutage werden viele traditionelle und z.T. aufwendig restaurierte Riads in Marrakesch und anderen marokkanischen Städten als Hotels genutzt. Am Tag darauf brechen wir in Richtung Ouarzazate im Atlasgebirge auf. Unterwegs besichtigen wir die sehr alte Lehmbau-siedlung und Festung Ait-Ben-Haddou, bekannt aus vielen Hollywood Blockbustern wie „der Hauch des Todes (James Bond 007)“, „Gladiator“, „Jesus von Nazareth“, „Sodom und Gomorrha“, „die Bibel“, „Game of Thrones“, „Lawrence von Arabien“ u.v.m. Anschließend geht es weiter Richtung Boumalne Dadès, wo wir übernachten. Tags darauf besuchen wir die Dadès Schlucht und fahren am Nachmittag weiter zu unserem Camp in der Sahara. Dort werden wir in traditionellen Berberzelten übernachten. Nach dem Frühstück geht es über den gesamten Tag zurück nach Marrakesch, welches wir am frühen Abend erreichen werden. Am 5. Tag unserer Reise möchten wir in Marrakesch die Souks sowie einige faszinierende historische Stätten, wie die Gräber der saadischen Sultane, den malerischen Jardin Majorelle von Yves St. Laurent und die berühmte Ali ben Youssef Madressa ansehen. Am 6. Tag geht es wieder zurück nach München.

Reiseroute in die marokkanische Sahara (Google Maps 3D)
Serpentinen in der Dadès Schlucht (Archivbild)
Dadès Schlucht (Archivaufnahme)
…nein, keine Camel Werbung, Marokkanische Sahara (Archivbild)

Lodges in der Wüste (Archivbild)
Souk von Marrakesch (Archivbild)
  1. Tag, Sonntag, 23.02.2025

So los geht es. Nachdem wir mit der S-Bahn am MUC ankamen, haben wir unser Gepäck eingecheckt und die Sicherheits-/Passkontrollen über uns ergehen lassen. Um 09:35 haben wir mit einem Airbus A320 von Discover Airline, einer Lufthansatochter, abgehoben und sind mit viel Rückenwind bereits um 12:45 nach einem unspektakulärem Flug in Marrakesch gelandet.

…na, was wird da auf uns zukommen ?
Nicht den Zug, nein, den Flieger nehmen wir
Na, dann steigen wir mal zu
Vorfreude

…sieht hier alles modern und relativ neu aus
Flughafen Marrakesch Menara

Nach Ankunft am Flughafen haben wir uns als erstes marokkanische SIM Karten für unsere Mobiltelfone besorgt. Anschließend suchten wir den Kontaktaktmann unseres Reiseveranstalters auf. Dieser erklärte uns den genauen Ablauf der Reise und wies uns einen Taxifahrer zu, der uns zu unserer Unterkunft im Herzen der Altstadt brachte. Anschließend machten wir einen kleinen Bummel durch die Gassen und Plätze Marrakesch’s

Zu unserem Riad kommt man nur zu Fuß

Das Rooftop unseres Riads
Alle Räume haben keine Fenster nach aussen, nur Türen und kleine Fenster zum Atrium hin
reges Treiben auf dem Jamaa el fna, dem Gauklerplatz
Sehr schöne Obstststände für frisch gepressten Saft
Koutoubia Moschee aus dem 12. Jh, gleichzeitig auch die größte in Marrakesch

Marrakesch, wegen des verwendeten roten Lehms auch die rote Stadt genannt, ist eine der 4 Königsstätte Marokkos und beherbergt natürlich auch einen Königspalast. Die Stadt Marrakesch wurde am 7. Mai 1070 durch Abu Bakr ibn Umar gegründet, um der neuen Bewegung der Almoraviden ein Zentrum zu geben. Abu Bakrs Nachfolger, Yusuf ibn Taschfin eroberte das heutige Nordmarokko und Andalusien und ließ Marrakech zur Hauptstadt seines Reiches ausbauen. Während der Regierungszeit seines Sohnes Ali ibn Yusuf wurde die Stadt erheblich erweitert und die bis heute erhaltene, gewaltige Stadtmauer errichtet. Auf den Plätzen der Stadt wurden die Waren gehandelt, die von zahllosen Kamel- Karawanen vom 8. bis zum 19. Jh von und nach Marrakesch transportiert wurden. Aus dem Süden wurden Gold und Sklaven nach Norden geschafft, im Tausch dafür brachten Karawanen mit z.T. mehreren tausend Kamelen Textilien, Keramik, Glas- und Metallwaren in den Sahel. Aus der Zentralsahara wurde hingegen Salz dorthin transportiert und gegen andere Ware eingetauscht. Marrakesch war über Jahrhunderte eins der wichtigsten Handelszentren Nordafrikas. In der Nachfolge der Almoraviden hat der 1. Kalif der Almohaden die Koutoubia Moschee 1147 in Auftrag gegeben. Sie wurde abgerissen, nachdem festgestellt wurde, dass die Qila Wand, die nach islamischen Vorgaben die Gebetsrichtung nach Mekka vorgibt, falsch ausgerichtet war. Bis 1157 wurd sie neu erbaut. Der Bau besteht vorwiegend aus Stampflehm und kann etwa 25.000 Gläubige aufnehmen. Es ist gleichzeitig auch die älteste Moschee Marokkos. 1199 wurde dass 77m hohe Minarett, bestehend aus Sandsteinblöcken hinzugefügt. Im Islam ruft der Muezzin 5 mal täglich zum Gebet. Um ihm in früheren Zeiten das Erklimmen des 77m hohen Minaretts zu erleichtern, hat man innen umlaufende Rampen eingebaut, so dass er mit einem Pferd zur Turmspitze gelangen konnte, um seinem Hand- (Mund-)Werk nachzukommen.

Die armen Schlangen können einem schon leid tun, auch wenn Evi und ich sie nicht mögen
Hier wird schon für’s Fotografieren aus der Ferne von Schlangenbeschwörern Geld genommenen, dreist und aufdringlich. Einer von Ali Baba’s 40 Räubern hat sich wohl auf’s Schlangenbeschwören verlegt.

Wir sitzen beim Hotel Riad Mabrouka im sensationellen Rooftop Restaurant, der Muezzin ruft gerade mit „Allāhu akbar“ die Gläubigen zum Gebet. gleichzeitig erklingt  aus der Lautsprecheranlage „I Feel Good“ von James Brown. Evi und ich halten uns vor Lachen den Bauch. Jenseits klerikaler Aspekte, James Brown trifft unseren Zustand im Moment perfekt.

abendliches Gedränge in den Souks und auf dem Jamaa el fna, dem größten Marktplatz von Marrakesch
Grandioser Blick über die Stadt mit schneebedeckten Bergen des Atlas.
Sehr gute Beef-Tajine mit Gemüse und sauteurem Casablanca-Bier, gut, aber 24 EUR/1 Liter
Jetzt erwachen die anderen Rooftop Bar’s ebenfalls
szenischer Rooftop-Ausblick vom Hotel Mabrouka, eines der höchsten der gesamten Stadt
Spektakulärer Sonnenuntergang

Montag, 24.02.2025

Allāhu akbaaar, Allāhu akbaaar…Heute morgen brauchten wir keinen Wecker. Bei Sonnenaufgang um etwa 05:15 hat uns der Muezzin geweckt. Im Anschluss durften wir den gesungenen Koransuren eines lautstarken Strenggläubigen irgendwo im Riad oder in unmittelbarer Nähe lauschen, wohl an die 20 min lang.  Nach einem guten, ortsüblichen Frühstück bestiegen wir einen Kleinbus und machten uns auf den Weg Richtung Aït Ben Haddu und Quarzazate. Nach gut 50 Minuten brachten dringende Hilferufe und Stop- Forderungen unseren Bus zum Stehen. Eine Französin um die 40 war offenbar leblos zusammengesackt. Sie kam kurz danach aber wieder zu sich. Nach einer Weile stieg die Frau in Begleitung aus. Nach etwa 60 min, konnten wir unsere Fahrt fortsetzen. Nach einigen, weiteren Zwischenstops erreichten wir gegen 13:00 Aït Ben Haddu. Da wir eine Führung gebucht hatten, bekamen wir einen eigenen Guide, einen sehr netten  jungen Mann aus dem Ort. Er erklärte uns, dass eine Filmcrew das gesamte Gelände für 7 Tage gebucht hat und somit ein Zutritt für diese Zeit nicht möglich ist. Ausgerechnet jetzt. Na was soll’s. Er bemühte sich sehr, erklärte uns die Historie dieser Ksar, arabisch für ein befestigtes Dorf, im Gegensatz zur Kasbah, einer separaten Festung. Weiter erklärte er uns mit Stolz, dass die Berber, deren Volksgruppe er vermutlich angehört, ein eigenes Alphabet haben und auch parallel zum Arabischen auch benutzen.

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Frühstück vor unserer Fahrt nach Aït Ben Haddu
Tizin-Tichka Pass, mit 2.260m höchster Pass Marokkos, die Passstrasse wurde erst kürzlich fertig, mancherorts stehen noch Baufahrzeuge
Kurzer Halt auf 2.200m
Aït Ben Haddu,  11. Jh, momentan erneut Filmkulisse, leider
…da wird doch nicht ein neuer Film gedreht? Sieht verdammt nach trojanischem Pferd aus
Der wird gerade eingewickelt, indigoblau.
Wer kennt es ? Kulisse von „Jerusalem“ aus dem Ridley Scott Kreuzritterfilm „Königreich der Himmel“ von 2005, nahe den Filmstudios von Quarzazate, dem Tor zur Sahara
Wunderschöne Bergdörfer
Dazwischen immer wieder saftig grüne Oasen
Skurrile Sandformationen
Live Musik im Riad Rihana
raffiniert drapierter und geschmackvoller Salat im Hotel

Dienstag, 25.02.2025,

Nach dem wirklich guten Frühstück im Hotel Riad Rihana ging es heute in die Wüste. Wir hatten gedacht, es geht unmittelbar in die Dades Schlucht, aber scheinbar hatte Secret Esape andere Pläne mit uns und es ging in die Toudgha Schlucht. Wir machten noch vorher Halt im Berberdorf Tinghir. Nachdem uns ein einheimischer Führer die Gärten und verbundenen Wasserbauwerke gezeigt hatte, „durften“ wir eine lokale Teppichmanufaktur besichtigen. Nach dem obligatorischen Tee zeigte uns ein wortgewandter Berber, wie diese typischen Berber-Teppiche aus Schafwolle hergestellt werden, anschließend verschiedene Teppiche, die zum Verkauf angeboten wurden. Trotz der sehr mühseligen und langwierigen Arbeit an den z.T. wirklich schönen Teppichen hat aus unserem Bus keiner gekauft. Mir hatte das schon zu lange gedauert, denn mir war klar, dass wir noch einige Kilometer in die Wüste zu fahren hatten und ich wollte mit Evi ja noch auf den Sandhaufen. Ich habe unseren Bausfahrer davon in Kenntnis gesetzt, da ging es dann plötzlich mit dem Aufbruch recht rasch und wir machten uns auf den Weg nach Merzouga.

Der berühmte Palmenhain von Tinghir
Bewässerungssysteme in Tinghir/ Aït Baha
Teppich waschen im Toudgha Fluß
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Berberteppiche in Aït Baha
Toudgha Schlucht
Fabiana, Marco und Evi warten auf unser Transportmittel, leider kein Kamel
Der Toyota 4×4 wird beladen, den Transfer per Kamel zum Camp hat uns Secret Escape leider ohne Gegenleistung gestrichen
Blick vom Camp in die Dünen
Unser Domizil
Imperial Glory Lodges
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Im Hintergrund der Erg Chebbi und Erg Morocco
eine Fata Morgana? plötzlich und unerwartet, eine unbekannte Vermummte erschien am Dünenkamm
Zähe Vegetation
frische Skorpionspuren und die Höhleneingänge der Stacheltiere
Touris als Kamelkarawane zwischen den Dünen
die Sonne verschwindet hinter den Sanddünen
Für das Dinner gekleidet, in Aba und Fes, die Dame grün, der Herr schwarz
nächtliche Wüsten-Romantik
Happy Birthday

Nach dem Einchecken am Nachmittag so um 16:30 beschlossen wir, wegen der herrschenden Lichtverhältnisse gleich auf die Dünen zu steigen. Gesagt, getan. Die Eindrücke waren ungewohnt und überwältigend. Am leichtesten läuft man die  Dünen auf der Luv (dem Wind zugewandt) Seite des Dünenkammes. Das ist zwar die längere Strecke, aber es läuft sich deutlich leichter durch den relativ festen Untergrund. Auf der meist sehr steilen Lee (dem Wind abgewandten) Seite mit dem angewehten, lockeren Sand ist es nahezu  unmöglich, hinaufzuklettern. Die Sanddünen löschen ja in kurzer Zeit alle Spuren aus, aber einige waren noch ganz gut zu erkennen bzw. ganz frisch. Kamelspuren, Fahrzeugspuren, Fussspuren. Unsere Aufmerksamkeit fesselten aber ganz viele kleine Spuren kreuz und quer mit einer ganz markanten Ausprägung. Eigentlich besteht die Spur aus 3 parallelen Spuren. In der Mitte eine oft langezogene Rille sowie links und rechts in regelmäßigem Abstand kantige Eindrücke. Wüstenskorpione. Nach unserer Rückkehr von der „Wüstenexkursion“ warfen wir uns in Schale mit Aba und Fes, um unser Dinner einzunehmen. Nach dieser kulinarischen Erfahrung, geschmacklich etwas zurückhaltend, waren wir noch außerhalb des Camps unterwegs, um den Wüstenhimmel zu begutachten. Leider gibt es durch die vielen Camps in der Nähe auch hier kein völlig dunkles Firmament mehr, aber der Blick gen Himmel war trotzdem sehr beeindruckend. Wir sahen Sterne zwischen den Sternen. Unglaublich. Zum Abschluss des Abends gab es noch ein kleines Feuerwerk, da einer der spanischen Crew-Mitglieder eines spanischen Reiseveranstalters Geburtstag hatte.

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Einer der Mitglieder der anwesenden, spanischen Crew eines Reiseveranstalters für Wüstentrips, hatte Geburtstag, dafür gab’s auch ein kleines Feuerwerk

Mittwoch, 25.02.2025

Da der lokale Manager von den Imperial Lodges gestern nach dem Dinner die Abfahrt mit den Toyota 4×4 Allradfahrzeugen zum Treffpunkt mit unserem 19. Sitzer VW Bus auf 06:40 festgelegt hatte, sind wir heute bereits ziemlich früh auf den Beinen gewesen. Bereits um kurz nach 06:00 war ich in der Wüste unterwegs, um einige schöne Bilder vom Sonnenaufgang zu machen. Nach einer weiteren Fahrt mit einem 4×4 Toyota zum Sammelpunkt am Rand der Sandwüste packten wir unsere Siebensachen in den 18-Sitzer VW Bus und begannen unseren Rückweg nach Marrakesch, welches wir am Abend erreichten.

noch sehr wenig Licht in der Wüste
die ersten Sonnenstrahlen lassen bereits Kontouren erkennen
interessante Muster des Wüstenbodens bei schräg einfallendem Licht, Kamera ein wenig neigen, et voila lila Sand
man beachte die wechselnde Färbung der Wüste bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen, hier mit lila Farbton…
….hier mit beigem Farbton…
und hier die gewaltigen, jetzt sandfarbenen Sandhaufen

Donnerstag, 27.02.2025

Heute war Kultur angesagt. Wir hatten schon im Vorfeld eine Stadtführung gebucht. Unser Stadtführer, ein Absolvent einer polytechnischen Universität in Frankreich und Ex-Journalist, führte uns durch verschiedene alte Stadtviertrel u. a. das alte Judenviertel, besuchte mit uns den Bahia Palast, der 1866 vom Architekten Si Mohammed El Mekki für Großwesir Sidi Moussa, dem Kammerherrn und rechten Hand von Sultan Hassan I. erbaut wurde. Die besten Handwerker des Landes waren 10 Jahre beschäftigt, um dieses Juwel zu erschaffen. Eine neue Ära begann für den Palais de la Bahia im Jahr 1912, als General Lyautey und andere französische Offiziere während des französischen Protektorats die Räumlichkeiten in Besitz nahmen. Sie führten bemerkenswerte Verbesserungen durch, wie den Einbau von Kaminen, einer modernen Heizungsanlage und sogar Elektrizität, und verliehen diesem historischen Juwel so zeitgemäßen Komfort. Anschließend besuchten wir Le Jardin Secret, die geheimen Gärten in der Medina von Marrakesch. Nach einem Marsch durch die belebten Souks erreichten wir ein unscheinbares Tor, hinter dem sich diese Gärten verbergen. Die Ursprünge von Le Jardin Secret gehen auf die Saadier-Dynastie vor über vier Jahrhunderten zurück, aber der Ort bestand bereits vorher als Garten und spiegelt Marrakeschs tief verwurzelte Verbindung zur islamischen Kunst und Natur wider. Es war einst Teil eines größeren Palastkomplexes, der zur Saadier-Ära gehörte und im Laufe der Jahrhunderte Wohnsitz mehrerer einflussreicher Familien war. Der Palast verfiel über die Jahre und Anfang des 21. Jh. wagte ein italenischer Bauträger, die verfallenen Gebäude und Gärten einer umfassenden Restaurierung zu unterziehen. Dies war eine monumentale Aufgabe, an der internationale Landschaftsarchitekten, u.a. Tom Stuart-Smith, britischer Gartendesign-Star, sowie Historiker als auch lokale Handwerker beteiligt waren. Ziel des Projekts war nicht nur die Wiederherstellung der strukturellen und botanischen Elemente der Gärten, sondern auch die Wiederbelebung der traditionellen Techniken und Materialien, die sie bei seiner ursprünglichen Anlage verwendet wurden. 2016 wurde der Garten wiedereröffnet. Das Ergebnis spricht für sich, wunderschön.

schöne, alte Toreingänge an einem Riad am Rande des Jamaa el fna
Bahia Palast
prachtvolle Verzierungen allenthalben
kunstvoll verzierte Deckenmalereien
Erdbeeren, groß wie Hühnereier
tolle Farben, tolle Gerüche
malerisch, Wasserverkäufer, die Wasser aus Lederschläuchen feilbieten
Jardin secret, der geheime Garten
eine wahre Oase inmitten der umtriebigen Medina
interessante Vegetation in den geheimen Gärten
stilvoller Pavillon
typische Souk-Atmosphäre, laut, bunt, chaotisches Stimmengewirr, völlig unterschiedliche Gerüche
….unvermeidlich, lokale Gewürzläden mit Arganöl, Gewürzen, Zimt etc.
am letzten Abend lassen wir es uns nochmal richtig gut gehen, erneut mit dem teuren Bier

Freitag, 28.02.2025

Nachdem wir gestern Abend noch gepackt,  sowie den Check in unseres heutigen Swissair Fluges erledigt hatten, machten wir uns bei regnerischem Wetter um 06:35 auf den Weg zum Flughafen Aeroport Intrrnational Marakech Ménara. Der Taxifahrer wartete bereits. Durch den gestrigen und heutigen Streik am Münchner Flughafen war unser Flug umgebucht worden und wir „dürfen“ von Marrakesch über Genf über Brüssel nach München fliegen. Knapp 3. 400 km. Danke Verdi. Am Flughafen war schon enormer Betrieb. Gleich am Eingang bildeten  sich bereits Menschenschlangen, Gepäck kontrollieren. Im Inneren der Abfertigungshalle begaben wir uns zum SWISS Schalter, um unser Gepäck abzugeben. Anschließend verzehrten wir genüsslich unser Breakfast to go, dass wir vom Riad mitbekommen hatten. Da wir noch weit  über 1 Std bis zum Boarding hatten, ließen wir uns Zeit, zu viel Zeit. Nachdem wir uns zu Gate B aufmachten und um eine Ecke bogen, sahen wir die Malaise.  Menschenschlangen vor der Sicherheitskontrolle, Menschenschlangen vor der Passkontrolle. Das wird verdammt knapp. Bis wir an der Sicherheitskontrolle ankamen, war unser Zeitpuffer nahezu aufgebraucht. Vor der Passkontrolle zeigten wir einem, die Menschenschlangen ständig auf und ab eilenden, etwas korpulenten Mr. Wichtig, unsere Boardingkarten. Der erkannte unser Dilemma und öffnete für uns und einigen anderen Gästen einige Absperrbänder, so dass wir von einem seiner Helfer in einer Warteschlange vor einer Passkontrollstation an die Spitze gestellt werden konnten. Mit hängender Zunge kamen wir im Boardingbereich von unserem SWISS Flug an. Kurz danach begann bereits das Boarding. Als wir nach einem unspektulärem Flug mit einem Airbus A220 in Genf ankamen, machten wir uns mit unserem Gepäck unverzüglich auf zum Schalter von SWISS, um unseren heutigen Weiterflug zu organisieren. Die freundliche Dame am Counter erklärte uns, dass unser Rückflug über Brüssel nach München ja erst morgen abend stattfindet. Mit Entsetzen blickten wir nochmal auf unsere Buchung. Tatsächlich, da stand, Samstag 01.03.2025. Hatten wir einfach überlesen. Alternativ hatte sie einen heutigen Flug über Wien gefunden, den wir allerdings bei Austrian Airlines buchen sollten. Wir bedankten uns herzlich und gingen ohne Zögern zum Austrian Counter, buchten uns ein und gaben unser Gepäck auf. Da haben wir wohl sehr viel Glück gehabt. Bekannte von Evi kamen aus Asien zum Umsteigen auch nach Genf und mussten auf ihren Anschlussflug dort 2 Tage warten. Kurz nach 21:00 kamen wir in einem fast leeren Flughafen München an.

regnerisches Boarding in Marrakesch
Breakfast
A220, wir fliegen das erste mal mit dem neuen Typ von Airbus
Schön, aber kalt in Genf, im Hintergrund „unser“ A220
Landung im nächtlichen Wien

Fazit:

Es war eine interessante und z.T. aufregende Reise. Wir haben diese Reise über Secret Escape gebucht und damit sehr unterschiedliche Erkenntnisse und Erfahrungen gewonnen. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die gesamte Reise von SE perfekt organisiert war, ohne Wenn und Aber. Die Probleme mit den Flügen sind leider auf den 48h Streik Donnerstag/Freitag in München zurückzuführen. Anders verhält es sich mit der Unterkunft in Marrakesch, der Wüstentour und dem Kamelritt. Hier würden wir uns ein geräumigeres Zimmer in einem traditionellem Riad oder Hotel, eine andere Zeiteinteilung beim Besuch der Sanddünen sowie den Kamelritt wenigstens als Option wünschen. Preis und Leistung waren o.k. aber es war keine Luxusreise zum Discountpreis. Insgesamt war es eine tolle Reise mit völlig neuen Eindrücken, völlig unbekannten und neuen Gerüchen, anderen Lichtverhältnissen, einem grandiosem Nachthimmel, komplett anderen Landschaften, einer andersartigen, interessanten Architektur und meist sehr freundlichen, hilfsbereiten und gut gelaunten Einheimischen. Ich glaube sagen zu können, auch in Evi’s Namen, dass wir nicht das letzte Mal in Marokko waren.

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